Sonntag, 11. Mai 2014

Blogbattle #11: Höflichkeit kontra Ehrlichkeit

Gute Frage, die eigentlich keine ist. Ehrlichkeit resultiert aus dem Eigeninteresse, Höflichkeit aus dem Fremdinteresse.

Machen wir uns doch nichts vor: Ehrlichkeit kann man sich fast gar nicht mehr erlauben. Das geht schon mit der Begrüßungsfloskel "Hallo, wie gehts?" los. Keine Sau interessiert es doch wirklich, wie es einem geht, wenn diese Phrase losgelassen wird. Genau wie anderes Herumgelabere. Als erklärter Gegner von Smalltalk muss ich mich immer sehr zusammenreißen, um denjenigen nicht zu fragen, warum er mir jetzt unbedingt ein Ohr abkauen will. Aber ich bin höflich, also schweige ich. Ich unterhalte mich gern mit Menschen, aber nicht, um mich über das Wetter und ähnliche Banalitäten auszutauschen. Interessiert mich nun mal nicht, ich seh selber, wie das Wetter ist, also bedarf es da keiner weit schweifenden Kommentare. Anscheinend brauchen die Menschen das aber, dieses ständige einander volllabern. Ich nicht. Das kann ich aber nicht dem Gegenüber erklären, weil es sowas nicht nachvollziehen kann, da es ja selber ununterbrochen wie ein Wasserfall schwätzt. Also lächle ich höflich, nicke ab und zu und überlege in der Zeit, wie denn nun mein Wohnzimmer irgendwann mal aussehen soll. Bin also höflich, um meine Ruhe irgendwann zu haben. Ehrlich wäre: "Du entschuldige, aber ich habe überhaupt keine Lust, mich mit deinem Gesabbel auseinanderzusetzen, und überhaupt gehst du mir derbe auf die Nüsse!" Kann man nicht bringen. Also höflich sein. 
Die Oma, die einem zum fünften Mal mit ihrem blöden Rollator über die Füße fährt, darauf hinzuweisen, ist höflich. Ihr das Ding um den Hals zu wickeln, und einen Knoten reinzumachen, wäre ehrlich.
Den Kunden, der schon seit 20 Minuten sein Kleingeld sucht, während die Schlange an der Kasse immer länger wird, zu fragen, ob man aushelfen kann, ist höflich. Ihn - Achtung Insider - mit geballter Freundlichkeit aus der Kassenzone zu komplimentieren, wäre ehrlich.
Und so weiter, und so weiter, und das Ende stimmt nicht heiter.
Ich könnte hier noch stundenlang rumschwafeln, aber das tue ich nicht. Erstens ist Avanger fürs Schwafeln zuständig (der findet auch zu diesem Thema bestimmt irgendeine Statistik oder so), und zweitens bin ich in meinem Blog nicht höflich, sondern ehrlich. Und ich bin nun mal kein Mensch der vielen unnützen Worte. Sieht man ja auch an meinem Urlaubstagebuch.
Also: Höflich muss man sein, weil die ungeschriebenen gesellschaftlichen Regeln das verlangen, und man ja, ob man will oder nicht, irgendwie mit anderen zu tun hat. Ehrlich sein ist eine Wohltat, die ich mir in meinem engsten Freundeskreis erlauben kann, und die mich immer befreit aufatmen lässt, weil ich mich nicht verstellen muss und einen auf lieb und nett und das ganze - Achtung, nochn Insider - Gedöns machen muss.

In diesem Sinne: 

Italiener! (noch ein Insider *gg* )

Avangers Beitrag: http://blog.corpus-et-amina.de/?p=1570


Kommentare:

  1. Charlotte Suppengrün....was für ein äußerst wohlklingender, poetischer Name *dahinschmelz*

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